Die Geschichte von der kleinen Feder

10.03.2018 14:00

Die vergangenen Wochen haben ja ausnahmsweise mal deutliches Winterwetter mit sich gebracht. Der Frost verbunden mit der phantastischen Sonne hat mir ein paar fotoreiche Mittagspausen beschert. Obwohl ich noch so manche gefrorene Seifenblase auf der Festplatte in Konserve habe, musste ich die Gelegenheit für neue Exemplare natürlich Tag für Tag wieder nutzen.
Die Ausbeute an gefrorenen und vor allem herrlich glitzernden Seifenblasen aus den letzen Wochen ist immens. Von diesen Bildern kann ich auch die nächsten Winter noch zehren, wenn wieder das norddeutsche Ganzjahreseinheitswetter herrscht und Minusgrade nicht in Sicht sind..

In einer dieser winterlichen Mittagspausen neulich verkroch ich mich ausnahmsweise in eine Ecke des Gartens, in der ich sonst sehr selten fotografiere (Wind, Sonnenrichtung, Bewuchs). Und als ich sogar gerade überlegte, rein zu gehen und es für diesen Tag sein zu lassen, frustriert, weil die Seifenblasen nicht so wollten wie ich, fiel mir etwas ins Auge. Steckte da doch einen Meter von mir entfernt diese kleine zarte Feder im gefrorenen Rasen. Als hätte sie nur auf mich gewartet.

Der Seifenblasen Frust war sofort vergessen. Die kleine Feder in dem gefrorenen Rasen ergab ein unheimlich schönes Bild. Als ich die Fotos auf dem PC durchsah, traf mich das Bild der Feder direkt ins Herz, ich war schockverliebt!

 

 


Obwohl ich mit dem Ergebnis sehr glücklich war und ich gar nicht vorhatte, das Bild zu wiederholen oder zu verbessern, zog es mich am nächsten Tag wieder in diese Gartenecke zu der kleinen Feder, die tatsächlich noch immer im Rasen steckte.

Als ich sie noch mal näher betrachtete, machte mein Herz einen kleinen Satz, denn der Frost hatte über Nacht kleine Eiskristalle auf die Feder gezaubert. Sie sah nun aus wie von kleinen Diamanten überzogen. Da war ich wirklich völlig hin und weg!

 

 

Ich dachte nicht, dass dieses wunderschöne Bild noch zu toppen wäre, aber es steht wohl außer Frage, dass ich am nächsten Tag die kleine Feder wieder aufsuchen musste. Und siehe da: mein Motiv hatte sich wieder verändert.

Wenn sich Diamanten immer so wunderbar vermehren und wachsen würden wie diese Exemplare hier, ich würde definitiv eine kleine Zucht aufbauen! Da das leider nicht funktioniert, habe ich mich einfach gefreut, dass der erneute Frost die Eis Diamanten auf der Feder noch hat wachsen lassen und auch die Grashalme deutlich mit Eiskristallen versehen hat.

 

 


Ich kann schon verstehen, wenn nicht jeder diese Begeisterung nachvollziehen kann, mit der ich diese kleine Feder fotografiert habe und dass ich mich über diese Bilder so sehr freuen kann. Man muss wohl entweder das Makro-Gen haben oder sich einfach an kleinen Dingen erfreuen können, aber für mich ist diese zarte Feder mit ihren Diamanten einfach wunderschön und hat mich total berührt. Obwohl erst Anfang des Jahres hatte die Feder schon am ersten Tag absolutes Bild-des-Jahres-Potential für mich, und nachdem daraus nun eine kleine Serie entstanden ist, kann ich mit Sicherheit sagen, dass diese (immer) zu meinen absoluten Lieblingsbildern gehören (werden)..

Natürlich habe ich manchmal Ideen für Bilder und konstruiere dann sozusagen ein Motiv. Ich liebe z.B. meine Blüten-im-Eiswürfel-Bilder sehr, aber ich liebe eben auch, wenn ich etwas fotografieren kann, was ich so vorfinde, das sind einfach kleine (große) Geschenke für mich.

Nach diesen Tagen war es schon fast ein wenig spannend, immer wieder rauszugehen, um nach der Feder zu gucken. Zwischenzeitlich war sie völlig unter einer Schneedecke versunken, tauchte aber tatsächlich immer noch im Rasen steckend wieder auf.

Nachdem der Frost dann zwischendurch ganz weg war, habe ich in Sachen Glitzer noch mal nachgeholfen. Im letzten Bild dieser Serie trägt die kleine Feder deshalb Tropfen. Und obwohl es sich einerseits noch immer irgendwie um das gleiche Bild handelt, ist es doch wieder ganz anders und auf seine eigene Art wunderschön.

 

 

Ich liebe sie einfach und bin total fasziniert von dieser kleinen pastellfarbenen Glitzerwelt. Da MUSS doch wirklich jedes Makro-Fotografen-Herz höher schlagen!

Der folgende Schnee war jedoch deutlich üppiger und lockte die Kinder zum Toben in den Garten. Dies wurde meiner kleinen Fehler leider zum Verhängnis. Nach dem folgenden Tauwetter konnte ich sie jetzt nicht mehr wiederfinden. Ob nun unter den Schneestiefeln der Kinder begraben oder von den zahlreichen Vögeln irgendwie fortgetragen, die auf dem Rasen die kleinen Früchte unseres Zierapfels als willkommene Abwechslung auf ihrem Winterspeiseplan gesehen und fleißig gepickt haben, sie ist leider fort..

Umso mehr hat mich das auf den Gedanken gebracht oder mir bewusst gemacht, dass das Fotografieren auch bedeutet, etwas oder einen Moment festzuhalten, der vergänglich ist. Wie oft schon habe ich eine kleine Blüte, ein Krabbeltier, ein Spinnennetz oder etwas ähnliches fotografiert, das eine gewisse Zeit später nicht mehr da war. Jede der Seifenblasen, deren Fotos ich mir so gerne ansehe, gab es nur ganz kurz und ist längst vergangen. Natürlich ist das keine Neuigkeit oder Sensation.. im Gegenteil! Das ist so selbstverständlich, dass man es eben vergisst. Und wenn man dann mal ein Motiv findet, das einen auf diese Art berührt, wird es einem wieder bewusst.. Fotografieren bedeutet, etwas festzuhalten. Etwas unvegesslich zu machen. Ist das nicht schön?

 

 

Und wenn Ihr diese Bilder noch einmal in ganzer Pracht sehen möchtet (was Ihr wirklich unbedingt tun solltet!), findet Ihr diese in der

Winterwunderwelt

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Stephanie Kühn ran.gezoomt@web.de